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Autor: Alexandra Bankamp
✓ Geprüft von: Dr. Michael Bäcker Informatiker & Betriebswirt
Zuletzt aktualisiert: 12.06.2026
Kunden erwarten nicht unbedingt außergewöhnlichen Service. Sie erwarten vor allem, dass Probleme schnell und unkompliziert gelöst werden.
Ob ein Kunde bei Ihrem Unternehmen bleibt oder abwandert, hängt maßgeblich davon ab, wie einfach die Nutzung Ihres Services für ihn ist.
In diesem Artikel erfahren Sie, was der Customer Effort Score genau ist, wie die Berechnung funktioniert, welche Fragen ein CES-Fragebogen enthält und wie Sie Ihren Score gezielt verbessern.

Der Customer Effort Score (CES) ist eine Kundenkennzahl, die misst, wie viel Aufwand ein Kunde betreiben muss, um ein Anliegen beim Unternehmen zu lösen.
Beim CES steht nicht das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern der Weg dorthin:
„War der Prozess für den Kunden einfach oder mühsam?“
Typischerweise wird der CES mit einer einzigen Frage erhoben, zum Beispiel:
„Wie einfach war es für Sie, Ihr Anliegen heute zu erledigen?“
Die Antwort erfolgt auf einer Skala von 1 („sehr schwierig“) bis 7 („sehr einfach“). Hohe Werte bedeuten wenig Aufwand und sind das Ziel.
Beispiel: Muss ein Kunde mehrmals anrufen, dieselben Informationen immer wieder nennen oder zwischen verschiedenen Kontaktwegen wie Telefon, E-Mail und Chat wechseln, empfindet er den Prozess als mühsam.
Je mehr solcher Hindernisse auftreten, desto größer ist der Aufwand für den Kunden und desto schlechter die Werte. Die Kennzahl hilft Unternehmen dabei zu erkennen, wo Kunden unnötig Zeit und Energie investieren müssen.
Die Antwort überrascht viele: Reibung zu beseitigen hat nachweislich größere Wirkung auf Kundenloyalität als das Erzeugen außergewöhnlicher Erlebnisse.
Für ein Contact Center ist der CES besonders relevant, weil er direkt mit operativen Kennzahlen verknüpft ist:
Gleichzeitig entlastet ein niedriger CES die Contact-Center-Agenten. Weniger Eskalationen, weniger Wiederholungskontakte und klarere Prozesse wirken sich direkt auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus.
Die Kennzahl ergänzt NPS und CSAT zu einem vollständigen KPI-Bild. Sie beantwortet die Frage, die die anderen Kennzahlen offenlassen: „War der Weg zum Ergebnis zumutbar?“
Die Berechnung des Customer Effort Score ist bewusst einfach gehalten. In der Praxis haben sich drei Methoden etabliert.
Methode 1: Arithmetischer Mittelwert: Alle Bewertungen werden addiert und durch die Anzahl der Antworten geteilt. Das ist die verbreitetste Variante, weil sie leicht kommunizierbar ist und Zeitreihenvergleiche ermöglicht.
Beispiel: Ein B2B-Contact-Center erhält in einem Monat 200 Antworten auf einer 7-Punkte-Skala.
| Skalenwert | Antworten | Punkte |
| 1 (sehr schwierig) | 10 | 10 |
| 2 | 20 | 40 |
| 3 | 30 | 90 |
| 4 | 40 | 160 |
| 5 | 50 | 250 |
| 6 | 30 | 180 |
| 7 (sehr einfach) | 20 | 140 |
| **Gesamt** | **200** | **870** |
CES-Mittelwert: 870 / 200 = 4,35
Methode 2: Low-Effort-Anteil (prozentbasiert)
Werte von 5, 6 und 7 gelten als „einfach“. Im Beispiel: (50 + 30 + 20) / 200 = 50 Prozent Low-Effort-Anteil.
Methode 3: Netto-Score (analog zum NPS)
Der Anteil der „Difficult“-Bewertungen (Werte 1 bis 3) wird vom Anteil der „Easy“-Bewertungen (Werte 5 bis 7) abgezogen. Im Beispiel: 50 Prozent minus 30 Prozent = Netto-CES von +20 (Skala: -100 bis +100).
Aber: Welche Methode ist die richtige?
Das hängt vom Anwendungsfall ab. Der Mittelwert eignet sich für interne Trendanalysen, der Netto-Score für die Kommunikation auf Managementebene und der Low-Effort-Anteil für Benchmarks.
Eine pauschale Antwort auf die Frage, was ein guter Customer Effort Score ist, gibt es nicht. Der CES hängt von Skala, Branche und Kanalstruktur ab.
Aus der Praxis gilt: Ein Low-Effort-Anteil deutlich über der Hälfte (Werte 5 bis 7 auf der 7er-Skala) ist ein erstrebenswerter Wert. Wichtiger als absolute Stichtagswerte ist jedoch die Entwicklung über Zeit.
Ein CES-Mittelwert von 4,5, der nach einer Prozessoptimierung auf 5,1 steigt, ist aussagekräftiger als ein Vergleich mit einem Branchendurchschnitt aus einem anderen Kontext. Ein Customer Effort Score sollte jedoch nie isoliert betrachtet werden.
Erst im Zusammenspiel mit Kennzahlen wie CSAT, NPS oder FCR entsteht ein vollständiges Bild der Kundenerfahrung.
Der Customer Effort Score Fragebogen besteht im Kern aus einer einzigen Frage. Zwei Varianten haben sich etabliert:
1. Variante A: Bewertungsfrage
„Wie einfach war es für Sie, Ihr Anliegen heute zu erledigen?“
Skala: 1 = sehr schwierig / 7 = sehr einfach
2. Variante B: Zustimmungsfrage
„[Unternehmen] hat es mir leicht gemacht, mein Problem zu lösen.“
Skala: 1 = stimme überhaupt nicht zu / 7 = stimme voll und ganz zu
Wichtig: Die Frage muss eindeutig auf eine konkrete Interaktion verweisen. Eine Formulierung wie „… bei Ihrem heutigen Anruf im Kundenservice“ verhindert, dass Kunden ihre generelle Unternehmensmeinung bewerten statt der spezifischen Erfahrung.
3. Ergänzungsfragen
Eine offene Folgefrage erhöht den analytischen Wert erheblich:
Diese Antworten lassen sich kategorisieren, etwa nach Wartezeiten, wiederholten Informationsabfragen, Weiterleitungen, Unklarheit bei Informationen oder technischen Problemen.
Hinweis: Ein schlanker Fragebogen mit maximal 2 bis 3 Fragen verhindert Antwortmüdigkeit und hält die Rücklaufquote hoch.
Den CES verbessern bedeutet, Reibungspunkte im Serviceprozess systematisch zu beseitigen. Drei Hebel sind besonders wirksam.
| Hebel | Ziel | Maßnahmen |
| First Contact Resolution steigern | Anliegen bereits beim ersten Kontakt vollständig lösen, um Rückfragen und Folgekontakte zu vermeiden. |
• Wissensdatenbanken verbessern • Skill-Based Routing für die direkte Weiterleitung an den richtigen Ansprechpartner • Agenten mit erweiterten Entscheidungsbefugnissen ausstatten |
| Self-Service richtig gestalten | Kunden sollen einfache Anliegen selbst lösen können, ohne zusätzlichen Aufwand zu haben. |
• Klare und logische Struktur der Self-Service-Angebote • Inhalte aktuell halten |
| Kanalübergreifende Prozesse schaffen | Verhindern, dass Kunden ihr Anliegen mehrfach erklären müssen. |
• Chat-, E-Mail- und Telefoninformationen zentral zusammenführen • Omnichannel-Plattform nutzen • Gesprächsverläufe kanalübergreifend sichtbar machen • Medienbrüche vermeiden |
SNcom unterstützt Sie dabei, den Customer Effort Score als aktives Steuerungsinstrument zu verankern. Als herstellerunabhängiger Contact-Center-Spezialist mit Zugang zu führenden Plattformen (Genesys, novomind, Parloa, Enghouse, Onlim) bietet SNcom konkrete Lösungen entlang der gesamten CES-Optimierungskette:
Möchten Sie wissen, wo in Ihren Serviceprozessen der größte Aufwand für Ihre Kunden entsteht? Kontaktieren Sie SNcom für eine kostenlose Erstberatung.
[1] Harvard Business Review (2010): Stop Trying to Delight Your Customers. URL: https://hbr.org/2010/07/stop-trying-to-delight-your-customers
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